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Kjersten Waldheim

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Aphorismen

Der ein­zi­ge Zwang, dem ich mit Freu­de wei­che, ist mein frei­er Wil­le.

Die Optimisten halten sich oft für Realisten. Die Rea­listen würden nur zu gerne mit ihnen tau­schen.

Die sich­er­ste Lü­ge ist die Wahr­heit.

Ein Feind ist, wer einem den Freund be­fiehlt.

Einsamkeit ist eine stolze und treue Ge­fähr­tin.

Er­in­ner­ung­en, die uns als Höl­le er­schei­nen, be­feu­ern wir meist selbst.

Furcht vor de­nen, die stets frem­de Ge­dank­en als Er­satz für ei­ge­ne neh­men.

 

New York

 

Ge­gen­sät­ze wir­ken erst an­zieh­end, da­nach Dis­tanz wah­rend.

Ge­gen­sei­ti­ge Ach­tung be­rauscht wie ein un­ge­sich­er­ter Hoch­seil­akt.

Ge­wis­sen Men­schen den Frie­den zu er­­klä­­ren, kann be­deu­ten, mit sich selbst im Krieg zu ste­hen.

Gleichgültigkeit ist ein tieferes Gefühl als Hass und be­ständiger.

Gott ist kein Athe­ist. Noch nicht.

Gute Taten sagen wenig über den Men­schen aus, der sie voll­bringt.

Hass­bar ist nur, was wir lie­ben könn­ten.

Hin­gabe en­det viel zu oft in Be­ses­sen­heit.

Individualität wird so­lan­ge re­spek­tiert, wie sie kon­form geht.

Ist es vor­stell­bar, als das auf­zu­wa­chen, wo­vor man sich vor dem Ein­schla­fen ­fürch­te­te?

Je­nen, die Re­spekt nur ein­for­dern, ist sein Er­werb zu mü­he­voll.

Keinen sinnvollen Ge­dan­ken zu fol­gen ist ein gu­ter Zeit­ver­treib.

Kein Glaube wurde im Himmel geboren.

Liebe und Lust bedürfen einander nicht – bis sie sich treffen.

Mensch­­lich­­keit trennt das La­chen vom Ge­­läch­­ter.

 

ohne Titel

 

Moral ist flüch­tig wie der Ge­schmack.

Nie­mand darf je ei­nen an­de­r­en ver­ein­nah­men, um nach der ei­ge­nen Fa­çon se­lig zu wer­den.

Ohne eine Er­in­ner­ung gibt es kein Ver­­zei­­hen.

Religion, die das Herz erreicht, kann Frie­den bringen. Wer sie darüber hin­aus zu mehren sucht, eb­net Ver­der­ben den Weg.

Soll­te mit sech­zig ein Ge­sicht ver­dient sein, dann ist es bes­ser, über man­che nichts zu er­fah­ren.

Ver­wün­sche keine Anderen, sind sie doch schon für im­mer mit sich selbst zu­sam­men.

Vi­sio­nen zu ha­ben be­deu­tet nicht auch vi­sio­när zu sein.

Vollkommenheit kann es für uns nicht ge­ben, denn dann wä­ren wir oh­ne Ziel.

Von Herz und Ver­stand be­freit ist al­les mög­lich.

Von jemanden, der uns schlafen lässt, ist kei­ne Hil­fe zu er­war­ten.

Was kann schöner sein, als gold leuch­ten­de Wol­ken am Mor­gen?

 

Portrait IV

 

Wen Ent­täu­schun­gen nicht be­rüh­ren, mag Glück ein­for­dern.

Wenn du für dich alles bist, bist du für andere nichts.

Wenn sich der Rea­list und der Op­ti­mist un­ver­söhn­lich ge­gen­über ste­hen, ver­lie­ren bei­de.

Wer meint, die Jugend sei an die Jugend ver­schwen­det, dessen eigene ist be­en­det.

Wer stets Wi­der­wor­te scheut, en­det als Knecht.

Wir verändern die Vergangenheit un­auf­hör­lich.

Worauf kommt es vielen an? Wie viel Spiel­zeug je­mand am Ende sein eigen nennt?

Zu lieben ist entweder ein Geschenk oder ei­ne Stra­fe. Mitleid erregt, wer nichts davon er­lebt.

Zur Tu­gend ver­klärt las­sen uns Dog­men freu­dig Wi­der­wär­tiges tun.

 

Die sicherste Lüge ist die Wahrheit.

Gott ist kein Atheist. Noch nicht.

Nie­mand darf je ei­nen an­der­en ver­ein­nah­men, um nach der ei­ge­nen Fa­çon se­lig zu wer­den.

Wen Enttäuschungen nicht berühren, mag Glück einfordern.